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JUNIOR-Perspektiven 2010 in Köln:

Wassermühlen, Hangman, Donna und weitere Einsichten

Kann es gut gehen, 52 Schüler zwei Tage lang in der Cologne Business School zu versammeln, um ihnen unternehmerisches Potenzial zu entlocken? Ja – und wie das glücken kann. Unterm Strich bleiben in Erinnerung: Wassermühlen, Hangman, Donna und andere Überraschungen. Doch der Reihe nach.

Die Basis für eine gelungene Veranstaltung ist immer dann gelegt, wenn die Gäste aktiv mitmischen. In Köln war das so. Die JUNIOR-Perspektiven sind kurz gesagt eine Art Abschluss-Krönungs-Programm in der Palette: Erfahrene Schülerfirmen-Vorstände erproben und erweitern ihre unternehmerischen Fähigkeiten, indem sie anhand einer vorgegebenen Aufgabenstellung ein komplettes Geschäftskonzept erarbeiten. Hinzu kommen wohl dosierte Informationspakete und Talkrunden zu allen Facetten des Unternehmertums. In einem Akt kreativer Zerstörung fegten die 52 Teilnehmer die vorbereiteten Anfangsideen der Veranstalter weg. Sie setzten vier eigene Geschäftskonzepte durch, nur fünf kamen aus dem JUNIOR-Fundus. „In dieser Runde steckte enorm viel unternehmerischer Geist“, kommentierte JUNIOR-Geschäftsführerin Marion Hüchtermann: „Ich denke, da werden wir einige in Zukunft als Gründer wiedersehen.“

In der Gegenwart eines Novemberwochenendes trafen sich die neun Arbeitsgruppen in solch verheißungsvollen Räumen wie Rio und Tokio, die aber doch nur einen unspektakulären Blick auf die Kölner Südstadt brachten. Auch das mag sich glücklich gefügt und die Konzentration auf das eigene Firmenmodell befördert haben. Die kreativsten Zerstörer schauten am Ende zufrieden drein. Julian Fuchs,18, aus München hatte die Idee für ein Internet-Startup im Bereich Inneneinrichtungen schon mitgebracht. Mit einem Team tüftelte er an weiteren Umsetzungsschritten. Weil die Idee auch später von der Jury mit dem Prädikat „Unbedingt dranbleiben“ versehen wurde, soll hier nicht mehr verraten werden. Viel Anfeuerung zum Weitermachen bekam auch Thorben Bechtold aus dem hessischen Gedern. Der 16-Jährige hatte es mit seiner Schülerfirma AquaAnergy, die stillgelegte Wassermühlen zur Stromerzeugung aktivieren will, schon in das Finale beim JUNIOR-Bundeswettbewerb in diesem Sommer gebracht. Doch richtig zufrieden war er noch nicht, weil er um Schwachstellen und Ungereimtheiten im Konzept wusste. In zwei Tagen harter Arbeit wurde vieles richtig rund geschliffen. „Nach den JUNIOR-Perspektiven weiß ich: Meine Geschäftsidee ist machbar und gut“, sagt er.

Die Bilanz des Workshops wäre geschönt, wenn hier nichts von den Achterbahnfahrten in den Arbeitsgruppen stünde. Es gab bei der Ausarbeitung der Businesspläne ein Auf und Ab bei Zahlen und Gefühlen. Die bange Frage lautete stets: Funktioniert der Plan tatsächlich? Es war dem unermüdlichen Einsatz (und dem permanenten Treppensteigen in höher gelegene Arbeitsräume) der beiden Unternehmensberaterinnen Irene Kuron (Opus1, Bonn) und Claudia Kirsch (Claudia Kirsch Unternehmensberatung, Hamburg) zu verdanken, dass manches Team mit Schwung zurück auf die Spur fand. Nur eine der neun Ideen schien verflucht. Das Team entdeckte keinen Weg, ein tragfähiges Konzept für eine Web-Unternehmensberatung zu entwickeln. Bei der Präsentation vor der Jury mit Alexander Baic, von der Boston Consulting Group in Köln, und Patrick Leitinger, Inhaber einer Medienagentur in Gummersbach, waren sie trotzdem dabei. Sie schilderten mit Verve, wie ein theoretisch exzellenter Plan in der Praxis scheitern kann. Frech illustriert, baumelte die Geschäftsidee letztendlich am Galgen. Donnernder Applaus im Plenum für diese ehrliche Hangman-Episode. Auch JUNIOR-Geschäftsführerin Hüchtermann war froh über die Moral von der Geschichte: „Unternehmer zu sein, bedeutet auch, mit der ersten guten Idee vielleicht zu straucheln, um mit der zweiten umso erfolgreicher zu sein.“

Ohnehin gehörten authentische Berichte von den Chancen und Risiken als Chef zum eindrucksvollsten Teil des umfangreichen Begleitprogramms. Der 32-jährige Unternehmer Stefan Strauß erzählte charmant und offen, welchen Preis er Anfang zwanzig für seine Höhenflüge als Webunternehmer bezahlte. Dass er seine besten Freunde nach drei Jahren Abtauchen in Arbeit mit zwei Kästen Bier wieder zurück gewann, erzeugte noch Gelächter. Die Schilderung seines Krankenaufenthalts nach einem Fast-Magendurchbruch brachte dagegen Nachdenklichkeit in die Runde. Das Fazit von Strauß: Ein erfolgreicher Unternehmer muss die Balance halten – und Abschalten ist genau so wichtig wie Anpacken. Sein Ausgleichsprogramm brachte er im Bild mit: Schäferhündin Donna. „Die zwingt mich mehrmals am Tag, meinen Schreibtisch zu verlassen“, so der Firmenchef.

Ob mit oder ohne Hund: Wenn nur einige der 52 Teilnehmer ihre kreative Kraft weiter entwickeln, wird sich in Jahren manche Unternehmensgeschichte wie ein Kölner Märchen lesen: Es begann im Raum Rio... 

Lesen Sie, wie Teilnehmer, Juroren und Coaches die JUNIOR-Perspektiven 2010 erlebten.

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Text: Dirk Horstkötter

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