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Nachgefragt: Die Befragung der JUNIOR-Teilnehmer im Schuljahr 2009/2010
In jedem Projektjahr werden die teilnehmenden Schüler und Schulpaten zum Projekt und den Rahmenbedingungen der Durchführung befragt. Ziel der Befragung ist es, wichtige Hinweise und Handlungsempfehlungen zu erhalten, um JUNIOR praxisnah und umsetzungsfreundlich zu gestalten.
Die Teilnehmer – Wer macht mit
Die Entwicklungen der Bildungslandschaft und die Einstellung zum Thema Schülerfirmen spiegeln sich deutlich in den Teilnehmerzahlen der einzelnen Bundesländer wieder. Mit einem Gesamtanteil von fast einem Drittel stellt Baden-Württemberg beispielsweise den größten Teil der JUNIOR-Unternehmer; gefolgt von den bayerischen Schülern mit etwa 18% der Teilnehmer. Gerade in Baden-Württemberg und Bayern zeigen sich in deutlichem Maße die guten Voraussetzungen an den Schulen im Bereich ökonomische Bildung, sowie ihrem Stellenwert im Schulalltag.
Insgesamt stellten die Gymnasiasten mit 73% den größten Teil der Teilnehmer, gefolgt von den Berufsschülern mit 12%. Wie nicht anders zu erwarten, stellt Baden-Württemberg einen Hauptteil der Gymnasiasten. 42% der Teilnehmer aus dieser Schulform kommen aus Baden-Württemberg. Gerade hier hat sich die Umsetzung des Projekts im Seminarfach etabliert. Um jedoch auch vermehrt andere Schulformen ansprechen zu können, wird die JUNIOR-Geschäftsstelle in den kommenden Jahren intensiv an der Ausbreitung von JUNIOR-Kompakt arbeiten. Zum Schuljahr 2010/2011 wird Kompakt dann auch in den Bundesländer Hamburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt angeboten werden. So wird das Projekt dann in insgesamt zehn Bundesländern angeboten.
Vorkenntnisse der Teilnehmer – ökonomische Bildung ein Fremdwort?
Im Rahmen der Befragung wurden die Schüler zu ihren Vorkenntnissen im Bereich ökonomische Bildung befragt. Dabei wurden sowohl die schulischen als auch die Erfahrungen aus dem privaten Bereich der Schüler evaluiert. Waren es im Schuljahr 2007/2008 noch 28% der Befragten, die sich bereits im Unterricht mit dem Thema unternehmerische Selbstständigkeit auseinander gesetzt haben, gaben im Schuljahr 2009/2010 schon 36% der Schüler an, sich mit diesem Thema beschäftigt zu haben.
36% verfügten aufgrund der Selbstständigkeit eines Elternteils sogar schon über Erfahrungen in diesem Bereich. Besonders der hohe Anteil der Teilnehmer aus Selbständigenhaushalten zeigt einmal mehr, wie prägend der Einfluss durch den sozialen Hintergrund ist. Betrachtet man hierzu die Selbständigenquote in Deutschland im Vergleich fällt auf, dass überdurchschnittlich viele Kinder aus Selbständigenhaushalten am Projekt teilnehmen. Bei gerade einmal 11 % Selbständigen in Deutschland würde man erwarten, dass noch nicht einmal 10 % der Schüler des Projekts aus diesen Haushalten stammen.
Obwohl noch nicht einmal die Hälfte der Teilnehmer über Vorkenntnisse verfügte, konnten sich 70% vorstellen, später selbst einmal ein Unternehmen zu gründen. Hier zeigt sich wieder einmal mehr, dass Deutschland seine Entwicklungspotenziale im Bereich der Selbständigen nicht voll ausschöpft.
Der Rückblick auf das Unternehmerjahr - Abschlussbefragung der Schüler
Zum Abschluss ihres Unternehmerjahres wurden die Schüler erneut zum Projekt befragt. Insgesamt beteiligten sich 57% der Teilnehmer an der Befragung und gaben in Verbindung mit der Erstbefragung wichtige Informationen und Hinweise.
Rückblickend sehen die Schüler den praxisbezogenen Einblick in die Organisation eines Unternehmens als wichtigste persönliche Erfahrung. Ebenfalls waren selbstständiges Arbeiten, die Übernahme von Verantwortung und das Arbeiten im Team eine weitere wichtige Erfahrung für die Schüler. Als größte Hürde gilt nach wie vor die Teamarbeit unter den Schülern. Mehr als 79% der Schüler sind aber überzeugt, dass JUNIOR ihre sozialen Kompetenzen gerade in diesem Bereich gefördert hat. Im Vergleich zum Schuljahr 2008/2009 wurden die Entwicklungspotenziale im Bereich der sozialen Kompetenzen weiter ausgeschöpft, und eine Zunahme um 9% erzielt. In einer nächsten Befragung gilt es genauer zu untersuchen, welche Projektelemente besonders die Ausbildung von Schlüsselkompetenzen unterstützt.
Insgesamt geben mehr als 80% dem Projekt die Note „sehr gut“ und „gut“. 85% der Schüler würden ihren Mitschülern eine Teilnahme am Projekt empfehlen. Auch hier liegen die JUNIOR-Teilnehmer wieder voll im Trend der aktuellen Studien. Knapp acht von zehn Jugendlichen sind der Ansicht, dass die Vermittlung wirtschaftlicher Zusammenhänge in der Schule verstärkt werden sollte (vgl. Jugendstudie 2009).
Geht es um die Vermittlung des Themas unternehmerische Selbstständigkeit, wünschen sich die Schüler einen persönlichen Kontakt zu Unternehmen sowie die Entwicklung einer eigenen Geschäftsidee. Ein Großteil der Schüler (64%) wünscht sich hierbei sogar die Umsetzung der Geschäftsidee im Rahmen einer Schülerfirma (vgl. Entrepreneurship Barometer 2008).
49%der Schüler möchten auch nach dem Projekt weiterhin mehr über das Thema unternehmerische Selbständigkeit erfahren. Gerade hier erhalten die Schüler wichtige Anknüpfungspunkte mit den JUNIOR-Perspektiven und dem JUNIOR-Ehemaligennetzwerk JENZ. Das Interesse der Schüler zeigt deutlich, dass sich das Engagement der Geschäftsstelle über JUNIOR hinaus lohnt und gewünscht ist.
Voraussetzungen und Durchführung des Projekts - Das Feedback der Schulpaten
Zum Abschluss des Projektjahres wurden auch die Schulpaten aufgefordert ihre Erfahrungen und Bewertungen an das Projekt zu geben. Gegenstand der Befragung war zum einen die Zufriedenheit der Teilnehmer mit dem Projekt, sowie die Erfassung des Schulumfeldes, in dem das Projekt umgesetzt wird.
Insgesamt beteiligten sich 130 von 358 Schulpaten, wodurch eine Rücklaufquote von 36% erzielt werden konnte. Besonders oft erhielt JUNIOR dabei ein Feedback von Lehrern, die das erste Mal am Projekt teilgenommen haben (38%). Aber auch die Lehrer, die bereits mehr als vier Mal am Projekt teilgenommen haben, beteiligten sich rege am Feedback. 27% der Befragten gaben an, dass sie mehr als vier Mal an JUNIOR teilgenommen haben. Wie auch im letzten Jahr waren die Rückmeldungen gerade in Baden-Württemberg (22 %) und Bayern (20%) hoch.
Die Befragung zeigt, dass besonders Lehrer mit einem fachlichen Bezug zu Wirtschaftsthemen JUNIOR durchführen. 40% der Schulpaten gaben in diesem Zusammenhang an, dass sie die Fächer im Bereich Wirtschaftslehre/Arbeitslehre unterrichten. Zudem bot fast ein Drittel JUNIOR im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft an. Erfreulicherweise zeigt es sich, dass an 47% der Schulen Schülerfirmen im Curriculum integriert sind, und somit eine solide Grundlage für die Durchführung des Projekts gegeben ist. Gerade diese Zahlen deuten nach Meinung der JUNIOR-Geschäftsstelle auf die Relevanz des Projekts im Bereich ökonomische Bildung.
Auch die Unterstützung durch die Schulleitung hilft den Schulpaten, JUNIOR an ihrer Schule durchzuführen. Mehr als 80% der Lehrer gaben an, dass sie zufrieden bis sehr zufrieden mit der Unterstützung durch ihre Schulleitung gewesen sind. Dem gegenüber steht die Unterstützung, die die Schulpaten aus dem Kollegium erhalten. Hier geben zwar 53% der Teilnehmer an, dass sie der Unterstützung durch ihre Kollegen die Note gut bis sehr gut geben würden, dem gegenüber steht jedoch eine unzureichende Unterstützungsleistung von immerhin 42% der Schulpaten. Hier muss in einer nächsten Befragung stärker untersucht werden, welche Störpotenziale vom Kollegium der Teilnehmer ausgehen, und welche Unterstützungsleistungen von der JUNIOR-Geschäftsstelle gegeben werden können. Erfreulicherweise stellt sich die Zusammenarbeit mit der JUNIOR-Geschäftsstelle sehr positiv dar. 88% der Schulpaten geben der Geschäftsstelle die Note sehr gut bis gut.
Die größte Motivation an JUNIOR teilzunehmen, besteht für Schulpaten in dem fertigen Konzept, das JUNIOR seinen Teilnehmern bietet. Insgesamt 96% der Lehrer gaben JUNIOR hier die Note „gut“ bis „sehr gut“. 73% der Befragten würden ihren Kollegen in diesem Zusammenhang sogar eine Teilnahme am Projekt empfehlen.
JUNIOR- Was wird bewirkt?
JUNIOR als ein Projekt, das die ökonomische Bildung von Schülern in Schulen fördert, hat auch den Anspruch die Entwicklung der Schüler nachhaltig zu beeinflussen und Schlüsselkompetenzen zu vermitteln. Um zu überprüfen, ob das Projekt diesem Anspruch gerecht wird, wurden die Schulpaten gebeten einzuschätzen, wie und ob sich ihre Schüler durch JUNIOR in diesem Bereich entwickelt haben.
Die Präsentationsfähigkeit der Schüler wurde nach Meinung von 54% der Schulpaten verbessert. Ebenso waren die Schulpaten der Meinung, dass ihre Schüler sich eher an Absprachen halten können (78 %). 90 % der Schulpaten beurteilten, dass ihre Schüler selbstständiger geworden sind und sogar 96% der Befragten sind der Meinung, dass JUNIOR die sozialen Kompetenzen ihrer Schüler gesteigert hat. In schönem Maße wurden diese guten Ergebnisse durch eine vergleichende Projektstudie des Instituts für Mittelstandsökonomie im Rahmen der Studie „Unternehmergeist in die Schulen“ bestätigt. Hier wurden Schulpaten und ehemalige Teilnehmer der Schuljahre 2004/05 und 2008/09 zu ihren Erfahrungen mit dem Projekt befragt. Auch rückblickend sehen die ehemaligen Teilnehmer einen positiven Einfluss des Projekts JUNIOR auf die Entwicklung ihrer Schlüsselkompetenzen. Im Rahmen der Studie kam man zudem zu dem Ergebnis, dass Teilnehmer von Realprojekten einen größere Entwicklungszuwachs im Bereich der soft skills beobachteten als die Teilnehmer von Planspielen (vgl. Unternehmergeist in die Schulen 2010).
Fazit – JUNIOR lohnt sich
Insgesamt hat die Befragung gezeigt, dass mit JUNIOR ein Projekt angeboten wird, dass ein hohes Maß an Praktikabilität, Aktualität und Unterstützung im Bereich ökonomische Bildung aufweist. Zugleich bescheinigen die Schulpaten eine positive Entwicklung ihrer Schüler in den Bereichen der Schlüsselkompetenzen, die in der allgemeinen Bildungsdiskussion auch unter dem Stichwort Ausbildungsreife zu finden sind. Auch in der Schülerbefragung hat es sich gezeigt, dass die Teilnehmer selbst davon überzeugt sind sich in diesem Bereich positiv entwickelt zu haben. Gerade im Vergleich mit den vergangenen Schuljahren zeigt sich hier eine erfreuliche Zunahme an Kompetenzentwicklung. Betrachtet man in diesem Zusammenhang zudem die Ergebnisse der vergleichenden Projektstudie zeigt es sich, dass JUNIOR als Realprojekt einen größeren Entwicklungsspielraum im Bereich der Sozialkompetenzen bietet als Planspiele. Gerade hier liegt somit eine weitere Kernkompetenz des Projektes, die nicht unberücksichtigt bleiben sollte.
Bisher kommen nur ca. 1% aller deutschen Schüler in ihrer Schullaufbahn mit dem Thema Schülerfirma praktisch in Kontakt, dabei werden die Teilnehmerpotenziale bei weitem nicht ausgeschöpft (vgl. Deutsche Bundesstiftung Umwelt, 2009). Deutlich belegen dies die Teilnehmerentwicklungen in den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern des Projekts JUNIOR. Werden Schülerfirmen verpflichtend in das Curriculum integriert, geht damit eine erhebliche Verbesserung der Durchführungsbedingungen einher und die Teilnehmerzahlen steigen. Hier liegt eine der Hauptaufgaben der JUNIOR-Geschäftsstelle für die curriculare Verankerung von JUNIOR zu werben. Die jährlichen Befragungen und aktuellen Studien unterstreichen den Stellenwert des ökonomischen Bildungsprojektes und dürfen nicht unberücksichtigt bleiben.





